14 Chronologie
Daten
der neueren Geschichte Chinas
1911/12 Ende des Kaiserreichs, Gründung der Republik, die bald in einen Bürgerkrieg gegen Warlords verstrickt wird.
1921 Gründung der Kommunistischen Partei Chinas (KPCh)
1927 Nationalistische Guomindang-Truppen massakrieren Kommunisten und streikende Arbeiter in Shanghai; mit dem Aufstand von Nanchang beginnt der Bürgerkrieg zwischen KP-Truppen und der Guomindang.
1931 In Jiangxi errichtet die KP eine Sowjetrepublik; Japan marschiert in der Mandschurei ein. In China existieren damit zwei wesentliche Kriege nebeneinander: Bürgerkrieg zwischen KP und Guomindang und Guomindang/KP gegen Japan.
1934 Guomindangtruppen greifen Jiangxi an; Langer Marsch der Kommunisten nach Shaanxi.
1937 Massaker von Nanjing; japanische Truppen erobern die damalige Hauptstadt und ermorden Hunderttausende.
September 1945 Die japanischen Einheiten in China kapitulieren; damit intensiviert sich der Bürgerkrieg zwischen der Guomindang und kommunistischen Truppen.
1949 Gründung der Volksrepublik, die Guomindang flieht nach Taiwan.
1950 Enteignung der Grundherren und Verteilung ihrer Ländereien an Landlose und Kleinbauern, wobei auch alleinstehende Frauen berücksichtigt werden; ausländische Firmen werden behindert oder zum Verkauf gezwungen; fast alle westlichen Ausländer verlassen das Land. Tausende Experten aus der UdSSR kommen.
1951 Einheimische Kapitalisten werden verfolgt; die Kampagne dient aber vor allem dazu, die Kontrolle über die Gewerkschaften zu erlangen.
1952-57 Bauern werden über die Stufen «Gruppen gegenseitiger Hilfe» und Kooperativen von 30-50 Familien zu Kooperativen von 200 bis 300 Familien zusammengefasst.
1953 Erster Fünfjahresplan
1954/55 Reorganisation der Volksarmee in Regionalkommandos und Wiedereinführung von Offiziersrängen mit Gehaltsunterschieden.
1955 Nationalisierung der Privatindustrie
1956 Einführung des Haushaltsregistrierungssystems (hukou), weitreichendes Reiseverbot
1957 «Hundert Blumen»-Bewegung: Studentenproteste in vielen Städten; bis Ende des Jahres werden mehrere hunderttausend Intellektuelle deswegen als «Reichsabweichler» ins Gefängnis oder aufs Land geschickt.
1958 Aus den Großkooperativen werden Volkskommunen
1958-61 «Großer Sprung nach vorn», der zu einer drei Jahre dauernden Hungerkatastrophe führt, bei der bis zu 30 Millionen sterben.
1960 Erster öffentlicher Streit zwischen China und der Sow-jetunion; diese zieht ihre Experten ab.
1966 Beginn der Kulturrevolution
1966/67 Streiks in Shanghai, die erst durch eine «Machtergreifung» radikaler Rotgardisten, dann von der Volksarmee niedergeschlagen werden.
Sommer 1967 Die Volksarmee erobert nach Streiks und Demos die Stadt Wuhan, dabei werden 1.000 Menschen ermordet.
1966-71 16 Millionen städtische Jugendliche werden im Zuge der Kulturrevolution aufs Land geschickt.
1971 Die Volksrepublik China ersetzt die Republik China (Taiwan) als Mitglied der UNO und des UN-Sicherheitsrates.
1972 US-Präsident Nixon besucht die VR China.
4./5.4.1976 Sicherheitskräfte beenden die Trauerfeiern tausender Menschen für Zhou Enlai auf dem Tian‘anmen-Platz in Beijing.
1979 Erste vier Sonderwirtschaftszonen, darunter Shenzhen und Xiamen; das Justizministerium (abgeschafft 1959) wird wieder eingerichtet und ein formell unabhängiges Gerichtssystem eingeführt; Beginn der «1-Kind-Politik»
1980 Heiratsgesetze: Frauen dürfen erst mit 24 heiraten; nach dem ersten Kind werden Spiralen zur Verhütung vorgeschrieben; Zwangssterilisation nach dem zweiten Kind.
1982-84 Die meisten Volkskommunen werden aufgelöst und ein «Quotensystem» eingeführt. Produziert ein Haushalt mehr, darf das auf dem Markt verkauft werden.
1984 Ökonomische Reformen: Land zur privaten Nutzung (für 15 Jahre oder länger) an Bauern; ländliches Kapital darf frei investiert werden; Staatsunternehmen dürfen die Hälfte des Profits selbst behalten; Manager dürfen Leute entlassen.
1986 Proteste der 1966-71 aufs Land Verschickten; Studentendemos unter anderem in Hefei, Wuhan und mehrere Tage lang in Shanghai; später auch in Tianjin, Nanjing und im Januar 1987 in Beijing; erstes Konkursgesetz, womit die Schließung von Staatsunternehmen ermöglicht wird; Einführung von Arbeitsverträgen.
1988 Inflation von 20 Prozent und mehr in den Städten; Streiks; Migration vom Land in die Städte (geschätzt acht Millionen); Entstehen der «Umherziehenden Bevölkerung» (Arbeitslose, Zugewanderte): über eine Million jeweils in Shanghai, Kanton, Beijing.
15.4.1989 Erste Stundentendemos in Beijing, später auch in vielen anderen Städten; Tian‘anmen-Platz wird besetzt.
3./4.6.1989 Dem Angriff der Armee widersetzt sich schon weit vom Tian‘anmen-Platz entfernt die Bevölkerung; der Aufstand wird blutig niedergeschlagen, der Platz geräumt. In anderen Städten gehen die Proteste noch tagelang weiter.
1990 Eröffnung der Shanghaier Aktienbörse
1992 Der Anteil der Staatsbetriebe an der Industrieproduktion sinkt unter 50 Prozent.
1993 Mindestlohnsystem: Mindestlöhne werden lokal festgelegt.
1997-99 Öffentliche Renten-, Kranken- und Arbeitslosenversicherungen werden für städtische Beschäftigte/Firmen verbindlich gemacht.
2000 Internetzensur: Gesetze über den «Verrat von Staatsgeheimnissen» werden aufs Internet ausgedehnt.
2001 Beitritt Chinas zur Welthandelsorganisation WTO; Homosexualität wird aus der Liste der Geisteskrankheiten gestrichen.
2002 Große Streiks und Arbeiterdemos im Nordosten
2003 Zum ersten Mal wird mehr als die Hälfte der neuen Autos von Privatleuten gekauft; neue Heiratsgesetze: die Erlaubnis des Chefs und Zwangsuntersuchung sind nicht mehr vorgeschrieben; die derzeit noch amtierende Staats- und Parteiführung übernimmt und repräsentiert eine «sozialere Ausrichtung» der Politik; später wird daraus die Parole der «Harmonischen Gesellschaft».
2004 Erste Klagen über Arbeitskräftemangel in den Südostprovinzen
2005 Spezielle Polizeieinheiten zur Bekämpfung von Riots und «Terrorismus» werden aufgestellt.
2006 Die Devisenreserven der VR China überschreiten 1000 Milliarden US-Dollar.

